Gemeinsam für eine Landwirtschaft,
die unsere Zukunft sichert

Jahresbericht 2020

Editorial

Ein besonderes Jahr

Vor einem Jahr habe ich über die schwierige Aufgabe geschrieben, die Auswirkungen der Pandemie zu meistern. Denn bei weltweiten Lockdowns steht auch für Fastenopfer viel auf dem Spiel. Wie kann der Kontakt mit den Partnern im Süden aufrechterhalten werden? Wie lassen sich die Projekte weiterführen? Drohen noch mehr Hunger und Armut? Wie soll in der Schweiz die Fastenzeit gestaltet werden?

Mittlerweile sind wir bei der dritten Infektionswelle angelangt. Die Sorgen begleiten uns noch immer, es mischt sich aber auch etwas Stolz darunter. Denn hinter uns liegt eines der herausforderungsreichsten Jahre in der Geschichte von Fastenopfer, doch trotz all der Einschränkungen konnten wir 90 Prozent der Projekte weltweit realisieren. Unser Engagement für die Konzernverantwortungsinitiative löste ein Volksmehr der Zustimmung aus. Trotz der Covid-Beschränkungen fand die Ökumenische Kampagne grosse Beachtung. Dazu beigetragen hat auch die spontane Rosenaktion in Spitälern und Altersheimen. Dadurch ist die Wahrnehmung der Kampagnen- und Kommunikationsmassnahmen in der Schweiz auf über 40 Prozent gestiegen. 10’000 Menschen haben ihre Spende erstmals direkt überwiesen – inzwischen tragen über 50’000 Menschen unsere Arbeit mit. Mit der DEZA haben wir einen neuen Zusammenarbeitsvertrag zur Ernährungssicherung in 14 Ländern abgeschlossen. Und schliesslich sind unsere Mitarbeitenden in der Schweiz und auf der ganzen Welt bis jetzt gesund durch die Pandemie gekommen, mit wenigen traurigen Ausnahmen.

Mit diesem Rückenwind und Ihrem grossartigen Zuspruch sind Fastenopfer und die Partner im Süden ins Jahr 2021 gestartet. Ein besonderer Moment, blicken wir doch auf 60 Jahre Entwicklungs- und Sensibilisierungsarbeit zurück. Eine bewegte Zeit, in der wir uns in Kirche und Gesellschaft stets für die Anliegen der Ärmsten starkgemacht haben. Auf diesem Weg gehen wir weiter – mit Ihrer Unterstützung.

Herzlichst
Ihr
Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenopfer

Wirkung weltweit 2020

Fastenopfer erreicht und verbindet über sechs Millionen Menschen weltweit. Solidarität, das Engagement gegen ungerechte Strukturen sowie die partnerschaftliche Zusammenarbeit im Süden lindern Not. Die Internationalen Programme kommunizieren und sensibilisieren und bringen die Stimmen der betroffenen Menschen national wie international auf politischer Ebene ein. 

Mit den Aktivitäten in den 14 Landesprogrammen und den drei Internationalen Programmen (IP) erreichte Fastenopfer 2020 direkt rund 633‘000 Menschen, 57 Prozent davon sind Frauen. Die Massnahmen zur Linderung der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie erreichten 352‘000 Menschen. Rund 603‘000 Menschen haben ihren Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung verbessert. Indirekt konnten rund 2,8 Millionen Menschen ihre Lebenssituation positiv verändern. Zählt man die über 3,5 Millionen Menschen hinzu, welche in der Schweiz die Informations- und Kampagnenarbeit wahrgenommen haben, konnten weltweit 6,3 Millionen Menschen erreicht werden. In der Schweiz steht bei unseren Aktivitäten der Wandel auf persönlicher, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene im Mittelpunkt, während wir bei den Landesprogrammen den Schwerpunkt auf die Verbesserung des Zugangs zu Nahrung und Grundrechten sowie die dafür nötigen lokalen und globalen Rahmenbedingungen legen. 

2020 haben wir zusammen mit kleinbäuerlichen Netzwerken, Solidaritätsgruppen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen 331 Projekte realisiert. Alle mit dem Fokus, den Menschen Zugang zu genügend und gesunder Nahrung zu verschaffen und das Risiko einer weiteren Verarmung zu verringern. Selbst in Zeiten der Ausgangssperren und Lockdowns konnte für einen Grossteil der Zielgruppen der Zugang zu Saatgut, Nahrung oder Notfallkrediten aufrechterhalten werden. 

Die Meldungen von Korruption, Missbrauch oder sexueller Belästigung in den Projekten haben im Vergleich zum Vorjahr nicht zugenommen und wurden weiterhin konsequent geahndet. Jedoch erschwerte die Pandemie durch Reise- und Versammlungsbeschränkungen den persönlichen Kontakt zu den Partnerorganisationen und Zielgruppen. Mit der Veröffentlichung eines anonymen Beschwerdeformulars in fünf Sprachen wurde der Zugang zu Meldungen via Internet verbessert.
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Lateinamerika

Brasilien

In Brasilien hat die Regierung Bolsonaro weiterhin die institutionellen Rahmenbedingungen geschwächt. Die Institution für Umwelt- und Indigenenschutz wurde weiter systematisch ausgehöhlt. Der Anstieg illegaler Abholzung ist dadruch rasant gestiegen und lokale Gemeinschaften und indigene Völker wurden noch stärker ausgegrenzt. Die Abholzung des Amazonas hat einen doppelt negativen Effekt: mehr Emissionen und weniger Senken. Covid-19 ist ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für die lokalen Gemeinschaften. Die pandemiebedingten Einschränkungen verhinderten, dass Widerstands- und Lobbyaktivitäten gegen illegale Aktivitäten auf den indigenen Territorien durchgeführt werden konnten. Das Landesprogramm wurde wie geplant beendet. Dank der guten Vernetzung und der Vermittlung von Kontakten zu anderen Organisationen ist die Finanzierung der meisten Partnerorganisationen gesichert. Einige von ihnen arbeiten weiterhin mit Fastenopfer im Rahmen der IP zusammen.
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Guatemala

Der seit Januar amtierende Präsident Alejandro Giammattei konnte im Verlauf des Jahres keine stabile Regierung etablieren. Seine Popularität sank bis Ende Jahr von 80 auf 25 Prozent. Das neoliberal ausgerichtete Gesundheitssystem kollabierte angesichts der Pandemiesituation um Covid-19 und konnte nicht in allen Regionen des Landes die Grundversorgung garantieren. Die Gemeinschaften reagierten jedoch rasch auf die schwierigen Bedingungen. Obwohl die Märkte geschlossen waren, fand der Handel und Austausch von selbst kultivierten Früchten und Gemüse innerhalb der Gemeinschaften statt. So konnten die Menschen dennoch ein Einkommen erwirtschaften und sich ernähren. Mit dem Programmschwerpunkt Recht auf Nahrung konnten 5'072 Frauen und 5'280 Männer direkt und 83'676 Frauen und 87'092 Männer indirekt erreicht werden. Zudem arbeitete das Programm mit 43 Netzwerken zusammen. Im Verlaufe des Jahres konnten neu 880 Familien ihre Parzellen agrarökologisch bewirtschaften. 915 Familien ernteten genügend, um mindestens zwei Mal am Tag agrarökologische Produkte auf den Tisch zu bringen und 1'186 Familien konnten ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften.
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«Das Parlament hat ein Hilfspaket erlassen, aber es ist fragwürdig, ob diese Hilfspakete auch bei den wirklich Bedürftigen ankommen. Leider kann/muss man davon ausgehen, dass ein beachtlicher Teil der nun für die Krise gesprochenen Gelder irgendwo in den Taschen gewisser Leute landet…»
Sagte zu Beginn der Pandemie unsere Programmkoordinatorin Inés Pérez.

Inés Pérez

Inés Pérez


Haiti

Da die Parlamentswahlen im Vorjahr verschleppt wurden, löste der Präsident Jovenel Moïse im Januar 2020 beide Parlamentskammern auf und regiert seither per Dekret. Der Korruptionsskandal um Petrocaribe-Gelder, in den unter anderem auch der Präsident involviert ist, wird nicht aufgearbeitet. Entsprechend ist Haiti inzwischen unter den 10 korruptesten Ländern der Welt (CPI=18, Position 170 von 180). Es kommt regelmässig zu Demonstrationen der Bevölkerung, gegen welche die Polizei mit Tränengas und vereinzelt mit scharfer Munition vorgeht. Inzwischen nähert sich Haiti dem Status eines autoritären Regimes (Economist’s Democracy Index 4.22). Covid-19 erreichte das Land im März. Nach einem ersten Anstieg der Fallzahlen flachten diese bereits im Sommer wieder ab. Bis Ende 2020 wurden offiziell nur gut 10'000 Fälle verzeichnet. Die Partner haben umgehend auf den Ausbruch von Covid-19 reagiert und Sensibilisierung und Prävention zur Vermeidung einer Ausbreitung der Pandemie in die Wege geleitet. Trotz der schwierigen Verhältnisse konnten 7443 Menschen ihre Ernährungssituation verbessern.
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Kolumbien

Das Jahr 2020 war geprägt von der Pandemie, die die Verwundbarkeit der kolumbianischen Gesellschaft, in der ca. 50 Prozent der Bevölkerung von informeller Arbeit leben, deutlich gemacht hat. Der Lockdown führte zu mehr Armut, Arbeitslosigkeit und Ungleichheit; die Gewalt gegen Frauen und Kinder nahm zu. In den Projekten konnten rund 1’400 Männer und 1’850 Frauen ihre Kenntnisse über nachhaltige Landwirtschaftspraktiken vertiefen und ihr Land nachhaltig bebauen. 1’060 Familien konnten ausreichend gesunde Nahrung ernten. 33 Prozent von ihnen, wenden zahlreiche agrarökologische Methoden an, und forschten selber weiter, welche Anbaumethoden für ihre Grundstücke sich am besten eignen. Mittlerweile werden 72 Hektaren Land ausschliesslich mit agrarökologischen Methoden bewirtschaftet. Rund 1’440 Familien haben trotz der schwierigen Umstände ihre wirtschaftliche Situation verbessert.
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«Das Coronavirus macht den Menschen Angst, und wir fühlen uns verpflichtet, die Solidarität der Familien und der Gemeinschaft zu fördern. Gleichzeitig ist es uns wichtig, die bäuerlichen Familien zu stärken. Denn sie leisten einen lebenserhaltenden Beitrag, indem sie ihre Produkte auch mit ihren Nachbar/innen teilen und im Dorf die Überschüsse verkaufen.»
Iván Gómez, Catalina Ramirez und Mary Jaimes, von Vicaria del Sur

Schweiz

Dank der Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) sowie von Gemeinden, Kantonen und Kirchen wurden die «KlimaGespräche Schweiz» weiter ausgebaut. National und international aktiv in der Klimafrage ist Fastenopfer im Rahmen des IP in den Vorständen der Schweizer und Europäischen Klimaallianz vertreten.
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Asien

Nepal

Die Covid-19-Pandemie traf Nepal wie kaum ein anderes Land auch ausserhalb seiner Grenzen. Da der Lockdown in Indien zu enormen Wanderbewegungen nepalesischer Migrant/innen führte, die dann an den geschlossenen Grenzen zurückgehalten wurden. Viele von ihnen waren bereits Tage oder Wochen zu Fuss unterwegs, hungrig und verzweifelt. Das führte zu zahlreichen dramatischen Szenen. Bis Ende Jahr wurden insgesamt über 260'000 Infektionsfälle und knapp 2000 Tote registriert, wobei diese Daten als nicht besonders zuverlässig einzustufen sind. Besonders betroffen von der Pandemie waren das Tiefland des Terai und urbane Räume, wo sich das Virus besonders rasch ausbreiten konnte. Der ländliche Raum wurde von Rückkehrenden aus dem In- und Ausland, die teilweise auch das Virus mit sich brachten, förmlich überschwemmt. Die Partner reagierten unterschiedlich auf die Pandemie: Die Partnerorganisation Aawaaj bot psychologische Unterstützung für Opfer häuslicher Gewalt an; andere engagierten sich dafür, dass die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen Zugang zu Unterstützungsleistungen erhalten. Trotz sieben Lockdowns konnten 1000 neue Küchengärten eingerichtet werden.
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Laos

Obwohl in Laos offiziell nur 43 Fälle von Corona registriert wurden, hatte die Schliessung der Landesgrenzen sowie der Grenzen zwischen den Provinzen schwerwiegende Konsequenzen für die ärmsten Menschen, die von der Landwirtschaft leben. Sie konnten ihre landwirtschaftlichen Produkte nicht an die Händler/innen aus Vietnam und China verkaufen. Das führte zu einem Preiszerfall auf den lokalen Märkten und zu einer Verringerung des Einkommens. Kinder und Frauen sind nach wie vor am stärksten von Unter- und Mangelernährung betroffen. Mit den Programmaktivitäten konnten 32‘570 Menschen erreicht werden. Frauen sind mit 50,4 Prozent in den Zielgruppen vertreten. Die lange Trockenheit führte dazu, dass der Anteil der Familien, die unter Ernährungsunsicherheit leiden, gestiegen ist. Aufgrund der klimatischen Bedingungen, wurde der Schwerpunkt des Programms auf den Anbau von Waldprodukten und auf klimaresistente Landwirtschaft gelegt. Unter diesen starken klimatischen Veränderungen leidet auch das Geflügel. Es kommt zur Ausbreitung von Krankheiten, Familien verlieren damit ihre Lebensgrundlage. Als Reaktion auf diese zusätzlichen Herausforderungen, legen die Menschen zunehmend Wert auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen.
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Philippinen

Die katholische Kirche spielte 2020 eine starke Rolle als Verteidigerin der Menschenrechte, der Rechte der Armen und Ausgegrenzten. Zu den grössten Problemen im Land zählten die wachsende Einschränkung der Rechte der Zivilgesellschaft und die zunehmende Bedrohung durch Naturgefahren. Ende November gab es in zwei Projektgebieten (in Samar und auf Luzon) starke Wirbelstürme, die massive Zerstörung mit sich brachten. Um das Leid etwas zu mildern, startete Fastenopfer ein Nothilfeprogramm für die betroffenen Menschen. Mit dem Programmschwerpunkt «Recht auf Nahrung» konnten trotz der Pandemie rund 47’000 Personen – 25’700 Frauen und 21’300 Männer – erreicht werden. 4600 Personen gehören neu zur Zielgruppe. Rund 420 Familien steigerten ihr Einkommen durch den Verkauf und die Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten. 35 Dörfer haben Pläne zur „Disaster Risk Reduction“ erstellt und umgesetzt. Insgesamt konnten 96’000 Personen die Programmaktivitäten nutzen.
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«Manche Menschen sagen sich in ihrer Verzweiflung: Ich sterbe lieber am Virus, als dass ich meine Kinder verhungern sehe. Jeden Tag hören wir, dass die Zahl der Infizierten und Toten steigt. Wir haben keine Möglichkeit, herauszufinden, wie viele wirklich infiziert sind, weil es so wenige Tests und Testcenter gibt. Es dauert mehr als zwei Wochen, ehe die Leute ihr Testresultat erhalten. Manchmal ist die Person bereits gestorben, wenn das Ergebnis schliesslich vorliegt.»
Bischof Pablo Virgilio David

Bischof Pablo Virgilio David

Bischof Pablo Virgilio David


Indien

Ein einschneidender Lockdown von März bis September hat dazu geführt, dass 200 Millionen Wanderarbeiter/innen, ihren Job verloren und in ihre Dörfer zurückgekehrt sind und so zur Verbreitung des Coronavirus beigetragen haben. Besorgniserregend ist die zunehmende Einschränkung für den politischen Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft. Die Medien, die Zivilgesellschaft und die Opposition werden immer mehr mit willkürlichen Anklagen der Staatsgefährdung gegängelt. Wegen der Pandemie konnten sich die Solidaritätsgruppen nicht mehr wie bisher auf regionaler Ebene in Netzwerken treffen. Die Reduktion auf eine Grösse von fünf bis zehn Dörfern intensivierte die gemeinsamen Aktivitäten. Das wiederum führte zur Neugründung von 218 Frauenorganisationen und 354 Männerorganisationen. Das Potential des aus der Not geborenen arbeitens mit Kleinstgruppen, um die Coronabeschränkungen einzuhalten, soll auch nach der Pandemie weiter genutzt werden: Führt es doch zu einem besseren Verständnis für die verschiedenen Regionen und deren spezifische Situation. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Entwicklung der einzelnen Gemeinschaften aus.
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Afrika

Burkina Faso

Wegen der Ausbreitung von Covid-19 wurden im März Grenzen, Schulen und Märkte geschlossen und Ausgangssperren verhängt. Zudem standen Dörfer und Städte zwischen April und Juni unter Quarantäne, was zu starken Beeinträchtigungen des lokalen Handels führte. Bis zum 31. Dezember waren 84 Todesfälle und 6’600 bestätigte Fälle von Covid-19 gemeldet worden, während bereits eine zweite Welle von Infektionen ihren Anfang nahm. In diesem herausforderungsreichen Jahr konnten rund 6000 Menschen neue wassersparende Anbautechniken lernen, die nachhaltiger für den Boden sind und weniger Einsatz von chemischem Dünger benötigen. Die Anwendung der verschiedenen agrarökologischen Methoden hat dazu geführt, dass die normalerweise rund 90 Tage dauernde Knappheitsperiode um schätzungsweise 42 Tage reduziert werden konnte.
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DR Kongo

Covid-19 forderte bis anhin verhältnismässig wenig Opfer. 18‘500 Ansteckungen und 599 Todesfälle wurden gemeldet. Zur Eindämmung der Pandemie wurden strenge Massnahmen erlassen. Das Ausgeh- und Versammlungsverbot führte bei den Menschen in den Städten und an den Grenzen zu Hunger. Landwirtschaft durfte die ganze Zeit über betrieben werden. Die Konsument/innenpreise sind im Laufe des Jahres nur wenig gestiegen. Es ist aber zu befürchten, dass die angeordneten Schulschliessungen mittelfristig negative Auswirkungen auf die Bildung haben werden und Mädchen noch früher in Ehe und Schwangerschaft gedrängt werden (Quelle: UNDP). Mit den Projekten zum Thema Recht auf Nahrung verbesserten 13‘082 Personen ihre Ernährungssicherheit. In den Spargruppen sind die Ersparnisse auf insgesamt ca. 80‘000 USD angewachsen. Diese Gelder können die Mitglieder als zinslose Kredite für Ernährung, Gesundheit und Bildung einsetzen.
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Kenia

Die lange Trockenheit und die darauffolgenden heftigen Regenfälle in den Monaten März bis August, förderten die starke Verbreitung der Wüstenheuschrecken, die grosse Teile der Ernte in Nord- und Ost-Kenia zerstörten. Durch die schwierigen klimatischen Bedingungen wird das gemeinsame Sparen in den Gruppen umso wichtiger. Von den 352 Solidaritätsgruppen (SG) konnten sich 99 Prozent der Mitglieder, trotz Corona weiterhin regelmässig treffen. 137 Solidaritätsgruppen, 61 mehr als im Vorjahr, konnten Ersparnisse zurücklegen. 69 der Gruppen haben bereits genügend Ersparnisse angelegt, um sich untereinander zinslose Kredite zu vergeben. 

Mit Handwaschstellen an öffentlichen Plätzen, mit in agrarökologischen Themen geschulten Zielgruppenvertreter/innen sowie mit Saatgut und Setzlingen für die Gemüsegärten wurde ein Nothilfeprojekt zur Bewältigung der Dreifachkrise Überschwemmung, Wüstenheuschrecken und Corona gestartet. Insgesamt konnten damit 4360 Menschen erreicht werden. Mit dem Programm wurden insgesamt 16’452 Personen direkt erreicht. 
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«Der in Kenia angewandte Solidaritätsgruppen-Ansatz kann eine Lösung für die unterbrochenen Lieferketten bieten, wenn die Mitglieder voneinander kaufen können. Wir werden dafür sorgen, dass die Begünstigten weiterhin solidarisch sind und biointensive Nutzgärten unterhalten.»
Stellamaris Mulaeh, die Programmkoordinatorin während der ersten Pandemiewelle.

Stellamaris Mulaeh

Stellamaris Mulaeh


Madagaskar

Die Corona-Pandemie führte in Madagaskar zu 17'633 Ansteckungen und 260 Todesfällen. Zwischen März und September wurden in verschiedenen Landesteilen Lockdowns verhängt. Reisen zwischen den Regionen waren nicht möglich. Versammlungen von mehr als 50 Personen waren verboten. Diese Einschränkungen haben dazu geführt, dass die Begleitung der Partnerorganisationen durch die Koordination stark eingeschränkt war. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind gestiegen. Die Ernährungssituation im Land wird als sehr ernst eingestuft. Ungefähr 30 Prozent der Bevölkerung ist von einer akuten Ernährungsunsicherheit betroffen. Besonders hart gestaltet sich die Situation im Süden, der seit drei Jahren unter Trockenheit leidet.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl Frauen in Führungspositionen in den 11‘393 Spargruppen, zu denen 182‘009 Personen gehören, um 10 auf 62 Prozent erhöht. Trotz der Corona-Pandemie konnten die Mitglieder der Spargruppen in agrarökologischen Fragen beraten und ihre Ernährungssicherheit weiter verbessert werden. Gleichzeitig ist der Prozentsatz der Menschen in den Projekten, die das ganze Jahr über genug zu essen hatten, von 6,3 auf 10,8 Prozent gestiegen.
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Senegal

Die Solidaritätsgruppen haben dem Druck der Corona-Krise standgehalten. Der Kassenbestand ist um 12 Prozent gestiegen. Zugenommen haben auch die Getreidereserven. Dank der guten Ernte konnten 779 Tonnen Getreide von den kollektiven Feldern geerntet werden. 127 Tonnen lagern nun in den Solidaritätsgetreide- speichern. Damit die Menschen die zusätzlichen Ausgaben für Seife, Desinfektionsmittel und Masken decken konnten, wurde ein Covid-19-Fonds eröffnet. Das Nationale Netzwerk von Organisationen, die sich im Kampf gegen Hunger und Verschuldung engagieren (RENOLSE), haben den Fonds verwaltet und an die Kalebassengruppen verteilt.
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Südafrika

Das Land hatte eine der höchsten Covid-19 Infektionsraten weltweit. Die Regierung verhängte den global strengsten Lockdown und schloss alle lokalen Märkte. Dies führte zu einem enormen Anstieg von Hunger und Ernährungsunsicherheit. Die Pandemie offenbart und vertieft die sozioökonomischen Ungleichheiten noch deutlicher. Die gut organisierte Zivilgesellschaft fordert unter anderem die Umgestaltung des südafrikanischen Ernährungssystems auf Basis der UN Bauernrechtserklärung. Um die Agrarökologie voranzutreiben und gegen multinationale Agrarkonzerne anzutreten, setzt die Agrarökologie-Bewegung auf praxisnahe Lobbyarbeit. Werden doch in Südafrika die Saatgutgesetze zugunsten der multinationalen Saatgutkonzerne verschärft. In Südafrika, das ein wichtiger Akteur in Afrika ist, arbeiten starke Partner, die sich nach der Schliessung des Landesprogrammes auf Ende 2020 in den Internationalen Programmen zu Fragen in den Themen Menschenrechte, Rohstoffe und Saatgut engagieren werden.
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Internationale Programme (IP)

Mit den drei IP bringt Fastenopfer die Stimme der betroffenen Menschen auf internationaler Ebene ein und verstärkt damit die Arbeit der Landesprogramme. 

Energie- und Klimagerechtigkeit

«Klimagerechtigkeit» bedeutet auch, dass Energie sozial nachhaltig produziert wird. In Brasilien und Kolumbien erstellten Partner von Fastenopfer Studien, die das Umfeld der Politik für erneuerbare Energien untersuchen. 2020 arbeitete das Programm mit fünf Partnerorganisationen in Brasilien, sowie mit drei in Kolumbien und indirekt über das Landesprogramm Kolumbien mit weiteren drei Organisationen zusammen. 

In Brasilien und Kolumbien erstellten IP-Partner NDCs-Studien (Nationally Determined Contributions), die das Umfeld der Politik für erneuerbare Energien untersuchen. Zudem wurde mit indigenen Vertreter/innen ein erfolgreicher digitaler Auftritt im Rahmen der COP26 Coalition durchgeführt. Der Anlass war mit 100 Teilnehmenden gut besucht und wurde von den Partnern professionell organisiert. Indigene Referent/innen sprachen über die Angst vor Vertreibung und Zerstörung von Ökosystemen die der Bau von Wasserkraftwerken in ihren Gebieten mit sich bringt.

In der Schweiz hat das Programm durch gezielte Information zu einer Steigerung der nationalen Ambitionen in Bezug auf das CO2-Gesetz beigetragen. 

In Kolumbien wurde – Co-finanziert von der Partnerorganisation – REPIC ein neues Energieprojekt im ländlichen Tolima initiiert, das rund 1000 Personen – mehrheitlich Indigenen der Pijao Gemeinschaft – den Zugang zu nachhaltiger Energie ermöglichen soll. 

Ernährungsgerechtigkeit

Das Programm hat seinen Fokus auf die Umsetzung der UN Bauernrechtsdeklaration (UNDROP) in der Schweiz und in Südländern und damit den menschenrechtsorientierten Ansatz weiter geschärft. Die Koalition «Friends of the Declaration», der Fastenopferangehört, hat die 2020 publizierte Studie zur Kohärenz zwischen der Schweizer Aussenpolitik und der Festlegungen in der Deklaration den Schweizer Behörden (Deza, Bundesamt für Landwirtshaft, Abteilung Menschliche Sicherheit, Institut für Geistiges Eigentum) und den Medien vorgestellt. Das Echo war positiv. Die Studie wurde mehrmals von humanrights-watch.ch zitiert. Information und Austausch mit den Partnerländern Guatemala, Philippinen und Südafrika motivierte dortige Partner, sich lokal für UNDROP einzusetzen. Covid 19 hat in den Partnerländern die entwicklungspolitischen Prozesse der bäuerlichen Bewegungen stark beeinträchtigt. 

Rohstoffe und Menschenrechte

Die Gewinnung von Rohstoffen ist in vielen Ländern mit Menschenrechtsverletzungen und Gewalt verbunden. Das IP kommt in Südafrika, Kolumbien und Brasilien zum Einsatz: 2020 stand die Arbeit rund um die Konzernverantwortungsinitiative im Zentrum. Zudem wurde, gemeinsam mit Brot für alle und dem VCS, eine Studie zur Produktion von Batterien für die Elektromobilität veröffentlicht. Über die Veröffentlichung der Studie wurde in verschiedenen nationalen und lokalen Medien berichtet. Die Studie »Die Batterie: Knackpunkt der Elektromobilität» machte damit auf die mit der Energiewende verbundenen Probleme aufmerksam.

Jahresrückblick 2020

Covid-19 stellte die Kampagne auf den Kopf

Die Ökumenische Kampagne «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert» war verheissungsvoll gestartet, doch über Nacht änderte sich alles.

Kurz nach dem Start der Ökumenischen Kampagne Ende Februar 2020 legte die Corona-Krise ab Mitte März das öffentliche Leben in der Schweiz lahm. Die meisten der geplanten Suppentage, Gottesdienste und Podien mussten abgesagt werden. Auch der geplante Strassenverkauf von Rosen zum Frühlingsbeginn konnte nicht stattfinden. Damit fehlte Fastenopfer und Brot für alle auf einen Schlag fast eine halbe Million Franken für ihre Entwicklungszusammenarbeit. Die 80’000 bereits bestellten Fairtrade-Rosen von Max Havelaar wurden an Altersheime und Spitäler verschenkt – eine Geste, die viele Menschen sehr berührte und freute und auch medial ein grosses Echo erzeugte.

Als Alternative für die Kirchgemeinden und Pfarreien wurde in aller Eile die Aktion «Kleine Suppe mit grosser Wirkung» entwickelt: Online konnten man ab Mitte März 2020 Suppentüten bestellen und sich nach Hause liefern lassen. Mit grossem Teamgeist wurden unkonventionell Alternativen realisiert, um den Esprit der Ökumenischen Kampagne weiterzutragen. Wie sehr die Corona-Krise die Spendeneinnahmen beeinflussen würde und wie gross die Einbrüche sein würden, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand sagen. Was sich jedoch schnell zeigte, war die grosse Welle der Solidarität. Anrufe aus Pfarreien, aber auch von Privaten forderten die Empfangsmitarbeitenden, denn immer wieder wurde die eine schöne Frage gestellt: «Wie können wir helfen?» 

Briefaktion von Bäuerinnen und Bauern

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verhandelt seit Jahren mit einer Reihe von Ländern über Freihandelsabkommen. Diese verlangen unter anderem einen strengen Sortenschutz für Saatgut. Kleinbäuerinnen und -bauern wehren sich dagegen, weil damit ihr Recht auf Saatgut drastisch eingeschränkt würde. Während der Ökumenischem Kampagne erhielt das Seco rund 1300 Protestbriefe von über 2300 Bäuerinnen und Bauern aus Asien, Afrika und Lateinamerika – dazu auch zahlreiche solidarische Zuschriften aus der Schweiz. Das Seco reagierte mit einer offiziellen Stellungnahme, anerkannte die Sorge um das Recht auf Saatgut und erklärte sich bereit, mit den Partnerländern Alternativlösungen zu finden.

«Swiss Overshoot Day»

Ab dem 8. Mai, dem «Swiss Overshoot Day», lebte die Schweiz über sieben Monate lang auf Pump, genauer: auf Kosten der kommenden Generationen. Würden alle so leben wie die Schweizer Bevölkerung, wären die Ressourcen von über drei Erden notwendig. Viele Privatpersonen, aber auch Unternehmer/innen und Politiker/innen setzen nach wie vor immer noch auf stark umweltbelastende Ernährung, Verkehrsmittel oder Produktions- und Heizungssysteme. Wir haben es in der Hand, unseren Konsum zu überdenken – und somit die Ressourcenverschwendung zu stoppen. Zum Vergleich: Der weltweite «Earth Overshoot Day» war am 22. August.

Ein Beispiel für viele Frauen

Eigenes Land zu haben, verändert alles. Deshalb setzt sich die Partnerorganisation ADIF in Burkina Faso dafür ein, dass Frauen Zugang zu eigenem Land erhalten. Eine von ihnen ist Madame Bandini. Heute besitzt sie ein 0,5 Hektar grosses Landstück, das auf ihren Namen eingetragen ist. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Denn in Burkina Faso «leihen» die Ehemänner das Land ihren Frauen aus. Dadurch bleiben ihre Lebensumstände sehr unsicher. Madame Bandini aber hat ihr Ziel erreicht: Sie pflanzt Zwiebeln an und hat einen Handel aufgezogen. Sie will auch ein Beispiel für junge Frauen sein und ist stolz, dass sie ihr Ziel erreicht hat.

Die Mehrheit sagt Ja, doch die Stände entscheiden dagegen

Ein Volksmehr von 50,7 Prozent sagte Ja, das Ständemehr aber entschied gegen die Konzernverantwortungsinitiative (KVI). Dennoch: Ein grosser Teil der Bevölkerung will, dass Schweizer Konzerne auch im Ausland Verantwortung übernehmen. Als Mitinitiantin der KVI war Fastenopfer enttäuscht über das Nein an der Urne. Der Einsatz für die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt in den letzten Jahren hat sich trotzdem gelohnt: Die breite Unterstützung von Tausenden von Freiwilligen – im kirchlichen Umfeld und in der Zivilgesellschaft – zeigt, dass der Bevölkerung in der Schweiz die Menschenrechte und der Schutz der Umwelt wichtig sind.

Starke Allianz

2019 schloss sich Fastenopfer mit Aqua Alimenta, SKAT Foundation, Swissaid, VSF-Suisse und Vivamos Mejor zusammen, um die Alliance for Sustainable Food Systems and Empowered Communities (Allianz Sufosec) aufzubauen. Gemeinsam entwickelten die Organisationen ein Programm zur Ernährungssicherheit, mit dem Ziel, Synergien zu nutzen und Fachwissen zu teilen, um die Arbeit in den Projektländern noch nachhaltiger zu gestalten. Das Projekt wurde von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) bewilligt. Nach einem Jahr intensiver Vorbereitungen und strategischer Planung wurde die Allianz am 1. Dezember 2020 offiziell lanciert. 

Ein neuer Rekord

Die Corona-Pandemie hat auch in Kenia viel Leid, Verluste und die Zerstörung von Lebensgrundlagen mit sich gebracht. Viele Männer mussten, aus Mangel an Arbeit, von den Städten auf ihre Höfe zurückkehren. Zum ersten Mal sahen sie, was ihre Frauen alles leisten. Dazu gehört auch stundenlanges Holzsammeln, um Feuer zu machen und danach im dichten Rauch kochen zu müssen. 

Seit sieben Jahren werden die energieeffizienten Kochöfen von ausgebildeten Ofenbauerinnen und Ofenbauern auf Mass gefertigt. Regelmässig machen sie in den Dörfern Werbung für die selbst gebauten Öfen: Um ein Feuer zu machen, benötigen diese wenig Holz, und durch die spezielle Bauweise entwickelt sich auch wenig Rauch. Wenn, wie im letzten Jahr durch Corona ausgelöst, die Männer über längere Zeit sehen, wie hart ihre Frauen arbeiten und sich eine Ofenbauerin im Dorf befindet, welche die Menschen dort informiert, kann sich diese Koinzidenz positiv auswirken. So konnten die Handwerker/innen im Jahr 2020 insgesamt 4975 Öfen bauen. Das sind mehr als dreimal so viele, wie in den letzten sechs Jahren durchschnittlich gebaut wurden. 

Anzahl Projekte nach SDGs*

Bereits 2015 verabschiedete die Staatengemeinschaft die Agenda 2030. Kernbestandteil sind 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, genannt «Sustainable Development Goals» (SDGs), und deren 169 Unterziele. Mit ihnen soll menschliches Wohlergehen gefördert und der Schutz der Umwelt vorangetrieben werden.

Bei der Anwendung der SDGs unterscheidet Fastenopfer zwischen einer Transformation im Norden und einer Transformation im Süden. Im Norden geht es dabei um eine Veränderung von Konsum, Mobilität und politischem Verhalten, denn damit können wir Klima sowie faire Handelsbedingungen positiv beeinflussen – und damit auch die Lebenschancen der Menschen. Mit der Transformation im Süden wird das Erreichen würdiger Lebensbedingungen für arme, ausgeschlossene und benachteiligte Menschen verfolgt. Mithilfe der Partnernetzwerke werden die lokalen Gemeinschaften und Organisationen gestärkt und die Menschen dabei unterstützt, ihre Rechte einzufordern (Human Rights Based Approach, HRBA).

Mit der Transformation der globalen Rahmenbedingungen schliesslich soll erreicht werden, dass Menschenrechtsverletzungen durch transnationale Konzerne nicht einfach hingenommen werden. Das kann Konsequenzen für die Gesetzgebung in der Schweiz und in Europa haben. Nachhaltige Wirtschaftsmodelle sollen gestärkt und internationale Austauschbeziehungen ethisch vertretbar gestaltet werden.

* Mehrfachnennungen möglich. Insgesamt tragen von den 331 Projekten (inkl. Inland und Sensibilisierung) 324 zu mindestens einem SDG bei.

Drei Beispiele aus der Projektarbeit nach SDGs


Das Projekt wird in den trockenen Gebieten von Kajiado in Kenia durchgeführt, die fast ausschliesslich von Massai bewohnt werden. Für die Massai sind grosse Rinderherden ein hohes kulturelles Gut, Symbol für Wohlstand und Macht. Doch die zunehmende Trockenheit aufgrund des Klimawandels, übernutzte Weiden und das Bevölkerungswachstum erschweren die Viehzucht zunehmend. Viele Familien steigen auf Ackerbau um. Ursprünglich war das ganze Land Gemeinschaftsbesitz. Da einige Massai das Land nun aufteilen und verkaufen möchten, kommt es zu grossen Spannungen und Konflikten. Die Partnerorganisation Dupoto-e-Maa ist spezialisiert auf Wasser- und Landmanagement. Fastenopfer hat die Organisation in den letzten Jahren darin unterstützt, in den Gemeinden Friedenskomitees aufzubauen. Ihre Mitglieder lernten, wie sie Konflikte angehen können und wie man gemeinsam Lösungen findet. Um diese Friedensarbeit langfristig sicherzustellen, intensiviert Dupoto-e-Maa jetzt die Ausbildung. Konsequent werden Entscheidungsträger/innnen wie Behördenmitglieder oder Dorfchefs in die Arbeit einbezogen. 


Jubla Infanta ist ein gemeinsames Projekt von Jungwacht Blauring Schweiz (Jubla) und Fastenopfer. Die beiden Organisationen arbeiten im Bereich des Globalen Lernens und der entwicklungspolitischen Sensibilisierung auf verschiedenen Ebenen zusammen. Im Rahmen des Konzepts «denkweit! Jugendaustausche» werden regelmässig Austauschreisen Schweiz-Philippinen und des «Partnership Agreement Jungwacht Blauring Switzerland (Jubla) und Chiro Philippines» durchgeführt. Die Jubla organisiert jeweils in der Fastenzeit eine Sammelaktion für das Projekt in Infanta.


«Am liebsten habe ich den 24. Juni, das ist unser wichtigster und einziger Feiertag. Denn jedes Jahr an diesem Datum pflanzen wir gemeinsam Bäume. Ich treffe mich mit meinen Freunden und Freundinnen, wir essen und trinken und singen gemeinsam. Ein Lied, das wir singen, geht so: ‹Bäume sind eine Quelle des Lebens, was würden wir ohne Bäume tun, von der Geburt bis zum letzten Tag dürfen wir ihren Schutz geniessen›. Bäume geben uns Wasser und Frische. Als es noch keine Bäume gab, war es sehr heiss, und die Bevölkerung fand keinen Schutz. Die Vögel waren fast verschwunden, jetzt sind sie dank der Wiederaufforstung wieder zurückgekommen.» Anioline Jean erzählt begeistert vom Aufforstungsprojekt am Morne Auguste auf Haiti. Die Schülerin und Umweltaktivistin arbeitet mit im Projekt Piod. Seit 2005 unterstützt Fastenopfer die Organisation, die mit dem Aufforsten begann um die Erosion zu stoppen und die Wasserscheide zu schützen, so dass das Wasser des Flusses zur Bewässerung des Bodens genutzt werden kann und das Land wieder bebaut werden kann. Aufgrund von Entwaldung fiel dort praktisch kein Regen mehr. Doch 2020 konnten die Bäuerinnen und Bauern eine reiche Ernte einfahren.


Aus dem Leben von Sabine Majil Manrique

Auf einem kleinen Stück Erde lässt sich viel anpflanzen

Kolumbien

Die Kolumbianerin Sabina Majil Manrique ist Bäuerin aus Leidenschaft. Der Anbau von Gemüse und Früchten, die Zusammenarbeit mit Menschen und der Schutz von Mutter Erde erfüllen sie mit Freude. Doch die verbreitete Gewalt macht ihr Angst.

Im Südwesten Kolumbiens liegt die Heimat von Sabina Majil Manrique. Die Indigena ist Bäuerin aus Leidenschaft und betreut für die Partnerorganisation Atucsara in Vereda Río Sucio im Departement Cauca, ein Programm für Seniorinnen und Senioren. Ihre Türen, so sagt sie, stehen immer offen, und oft versammelt sich Klein und Gross bei ihr im Haus oder im Garten. 

Angst macht ihr jedoch die nach wie vor verbreitete Gewalt. Denn auch fünf Jahre nach dem Friedensabkommen, welches das Ende des 50 Jahre dauernden Bürgerkriegs hätte beschliessen sollen, werden die Menschen immer wieder von bewaffneten Gruppierungen bedroht. Doch die Arbeit von Atucsara bietet Unterstützung und Perspektiven. Dazu gehören das Vermitteln von agrarökologischen Anbaumethoden, der sorgfältige Umgang mit Umwelt und Ressourcen, aber auch das Aufzeigen und Vermitteln von Rechte für die Bürger/innen sowie die Förderung der Gleichberechtigung. 

Zentraler Bestandteil der indigenen Kultur ist der Schutz von Mutter Erde. Denn Mutter Erde schenkt, nährt und schützt das Leben. InVereda Río Sucio, das auf über 1800 Meter über Meer liegt, ist die agrarökologische Landwirtschaft, unterstützt durch die Projektarbeit von Atucsara, weit verbreitet. Üppige Gemüse- und Obstgärten, Bananen- und Kaffeeplantagen prägen das Landschaftsbild. 

Auch auf dem Land von Sabina Majil Manrique wachsen neben vielerlei Gemüsesorten noch Obst und Kräuter. «Seit meiner Kindheit hatte ich immer einen Garten. Ich hätte Mühe, auf dem Land zu leben und trotzdem das Gemüse zu kaufen.» Sie ergänzt: «Gesunde Ernährung, Erhaltung und Pflege der natürlichen Ressourcen fördern die Harmonie mit der Erde.» Die Bäuerin setzt ausschliesslich organischen Dünger zur Aufzucht ihrer Pflanzen ein. «Das ist sehr wichtig, denn was in der Stadt verkauft wird, ist meist mit einer Menge Chemikalien versetzt, und das ist nicht gesund». Mit den agrarökologischen Methoden, die an das sich verändernde Klima angepasst sind, wächst und gedeiht in den Gärten von Vereda Rio Sucío oft mehr, als die Menschen hier für den Eigenbedarf benötigen. Überschüsse werden zu normalen Zeiten an den Wochenmärkten verkauft. So schaffen sich die Menschen ein Einkommen. Sabina Majil Manriques grösster Wunsch ist, dass in Zukunft jede und jeder in der Gemeinde einen eigenen Hausgarten hat.

«Dabei ist nicht wichtig, wie gross er ist, denn auch auf einem kleinen Stück Erde lassen sich viele verschiedene Gemüse und Früchte anpflanzen.»
Sabina Majil Manrique

Klimagerechtigkeit – jetzt!


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  • die Arbeit der Kirche und Projekte von Entwicklungsorganisationen zugunsten wirtschaftlich und sozial benachteiligter Menschen weltweit zu unterstützen, mit Schwergewicht auf Afrika, Asien und Lateinamerika (Pastoral- und Entwicklungszusammenarbeit);
  • Mittel bereitzustellen, um in Zusammenarbeit mit der Bischofskonferenz und den staatskirchenrechtlichen Organisationen pastorale Projekte für die Arbeit der Kirche in der Schweiz zu unterstützen (Inlandaufgaben);
  • sich an der entwicklungspolitischen Meinungs- und Entscheidungsbildung zu beteiligen;
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Impressum

Herausgeber: Fastenopfer Schweiz, Luzern
Redaktion: Colette Kalt
Illustrationen: Skiss, GmbH, Emmenbrücke
Bilder: Fastenopfer-Bilddatenbank:
Onlinegestaltung: Reto Steffen